Das heilige Polen

Januar 29, 2010

tokyoter goethe institut

Einsortiert unter: in tokyo,sprache — Kasia Zielińska @ 2:30 nachmittags

Heute hab ich – nach der Yogaschule YognaJaya – einen neuen Punkt auf meiner ganz persönlichen Karte Tokyos gefunden. Ich war hier nämlich im Goethe Institut. Fühlte sich gut an.

Was mich dazu getrieben hat: ich und meine Freundin möchten deutsche Buchautorin Julia Franck interviewen, für die Reportagen- und Interviewzeitschrift Duży Format. Die erscheint donnerstags zusätzlich zu Gazeta Wyborcza, also die größte meinungsbildende Tageszeitung in Polen.

Aber ich hab nur ein Buch von Julia Franck gelesen, und wollte die anderen nachholen, also nach dem kurzen Brainstorming “Wo finde ich deutsche Bücher in Tokyo” hab ich mich auf den Weg nach Goethe Institut gemacht. Ich hab mich erinnert, wie ich vor 11 Jahren angefangen habe, die Bibliothek des Warschauer Goethe Instituts zu besuchen. Am Anfang hab ich nur einfache Kinderbücher auf Deutsch ausgeliehen, danach Romane, Filme, schließlich Bücher über Theater und Kunst. Goethe Institut war mein Lieblingsort, und immer hatte ich in meinem Zimmer ein Stapel von ausgeliehenen Bücher.

Jetzt hab ich mich in diesem Goethe Institut hier auch sehr wohl gefühlt. Es ist viel kleiner als die Warschauer Filiale, aber sehr gemütlich und in schöner Aoyama gelegen, wo auch bißchen mehr Bäume zu sehen sind – eine Seltenheit in Tokyo. Ich hab mir auch einen Tisch mit dem Blick aufs Grüne ausgesucht, Stundenlang gelesen und sogar – ich glaube, die Japaner haben mich damit angesteckt – kurz geschlafen.

Als ich rausging, hat die japanische Straße mit japanischen Leuten ein leicht schizophrenes Gefühl in mir geweckt. Ich muss mir schon manchmal Mühe geben, um dieses kulturelle Puzzle meines Lebens zusammenzuhalten.

Übrigens hat mir meine Mutter vor paar Tagen einige Ausgaben von Duży Format geschickt. Ich kann das Päckchen kaum erwarten. Obwohl, ich sollte mehr auf Polnisch reden, nicht nur lesen und schreiben. Wenn ich mit meiner Mutter skype, fällt mir schon die polnische Aussprache schwer.

Januar 23, 2010

fotozwang

Einsortiert unter: in tokyo,sprache — Kasia Zielińska @ 6:41 vormittags

Meine Familie und Freunde quälen mit wegen Fotos, die ich hier haufenwenweise machen und ihnen schicken sollte. Ich bin aber kein Fototyp. Dazu ist die Luft Tokyos überladen von Blitzlampen von Milliarden Fotos, die schon andere Leute gemacht haben. Meine wären hier wirklich schon zu viel.

Ich fühle ganz genau, dass für mich die Fotos keine Perzeptionsmöglichkeit sind. Es sind dagegen nach wie vor die Worte. Ich erzähle meinen Freunden, ich fühle hier in Japan gar nichts, existiere einfach ganz yogisch und zenartig ruhig ohne mich irgendwie aufzuregen (was ich doch machen sollte, weil ich in JAPAN bin). Ich finde mich total gut zurecht und erlebe keine Reibungen mit der Tokyoter Wirklichkeit. Dachte ich. Bis ich mich gestern zurückgezogen habe und bemerkte, wie tatsächlich mein Inneres durch diese Wirklichkeit reorganisiert wird und wieviel ich schon in den letzten Tagen in meinem Blog über Japan und in den Mails geschrieben habe, und auch gelesen (Bücher auzuleihen war eine der ersten Sachen, die ich hier gemacht habe), und ich rede auch unmöglich viel in allen Sprachen, deren ich mächtig bin. Je mehr Stunden ich jetzt alleine verbinge, desto mehr Wörter entdecke ich meinem Kopf und draußen.

Kann ich das aber leider heute nicht mehr lange erleben, weil ich trinken gehen muss. Das ist etwas, was ich an allen meinen Kulturen, polnischer, deutscher und japanischer, hasse – dass ich zum Saufen gezwungen werde.

Januar 19, 2010

in tokyo

Einsortiert unter: in tokyo,sprache — Kasia Zielińska @ 11:21 vormittags

Bin jetzt seit einer Woche in Tokyo, mein Hintergrund hat sich also weiterhin kompliziert. In informellen Gesprächen stelle ich mich oft als ポーランドのドイツ人, also so was wie eine polnische Deutsche oder deutsche Polin (ich weiß nicht so genau, welche von der beiden ist richtiger).

Jetzt hat sich also das Objekt meiner Hassliebe, die immer wieder gefüttert werden muss, gewechselt: es sind nicht mehr die Deutschen, sondern Japaner (aber ruhig meine deutschen Freunde, dass bleibt nur bis 1.04). Japaner, die ekelhafterweise die Nase hochziehen, weil ihnen Nase auszuputzen eklig scheint und paranoid werden in puncto Mülltrennung, wenn sie gleichzeitig mein Briefkasten mit Bergen von Flyers verstopfen.

Aber, da es hier viele Deutsche gibt, fühle ich mich wie zu Hause. Fühlt sich komisch an, wenn ich logisch daran zu denken versuche. Ich kann aber nichts dafüur, dass ich mich erleichtert fühle, wenn ich vom Englischen endlich ins Deutsche wechseln kann. Als “erleichtert” meine ich nicht, dass eine der Sprachen besser ist, so ist eher nicht der Fall. Ich fühle mich aber dann… wie wieder bei mir selbst.

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