Heute hab ich – nach der Yogaschule YognaJaya – einen neuen Punkt auf meiner ganz persönlichen Karte Tokyos gefunden. Ich war hier nämlich im Goethe Institut. Fühlte sich gut an.
Was mich dazu getrieben hat: ich und meine Freundin möchten deutsche Buchautorin Julia Franck interviewen, für die Reportagen- und Interviewzeitschrift Duży Format. Die erscheint donnerstags zusätzlich zu Gazeta Wyborcza, also die größte meinungsbildende Tageszeitung in Polen.
Aber ich hab nur ein Buch von Julia Franck gelesen, und wollte die anderen nachholen, also nach dem kurzen Brainstorming “Wo finde ich deutsche Bücher in Tokyo” hab ich mich auf den Weg nach Goethe Institut gemacht. Ich hab mich erinnert, wie ich vor 11 Jahren angefangen habe, die Bibliothek des Warschauer Goethe Instituts zu besuchen. Am Anfang hab ich nur einfache Kinderbücher auf Deutsch ausgeliehen, danach Romane, Filme, schließlich Bücher über Theater und Kunst. Goethe Institut war mein Lieblingsort, und immer hatte ich in meinem Zimmer ein Stapel von ausgeliehenen Bücher.
Jetzt hab ich mich in diesem Goethe Institut hier auch sehr wohl gefühlt. Es ist viel kleiner als die Warschauer Filiale, aber sehr gemütlich und in schöner Aoyama gelegen, wo auch bißchen mehr Bäume zu sehen sind – eine Seltenheit in Tokyo. Ich hab mir auch einen Tisch mit dem Blick aufs Grüne ausgesucht, Stundenlang gelesen und sogar – ich glaube, die Japaner haben mich damit angesteckt – kurz geschlafen.
Als ich rausging, hat die japanische Straße mit japanischen Leuten ein leicht schizophrenes Gefühl in mir geweckt. Ich muss mir schon manchmal Mühe geben, um dieses kulturelle Puzzle meines Lebens zusammenzuhalten.
Übrigens hat mir meine Mutter vor paar Tagen einige Ausgaben von Duży Format geschickt. Ich kann das Päckchen kaum erwarten. Obwohl, ich sollte mehr auf Polnisch reden, nicht nur lesen und schreiben. Wenn ich mit meiner Mutter skype, fällt mir schon die polnische Aussprache schwer.