Das heilige Polen

Dezember 16, 2009

einkaufstüten der Mutter Polin

Einsortiert unter: essenz,konsum — Kasia Zielińska @ 11:23 nachmittags

Spannend, wie man so viele Sachen aus eigenem Land gar nicht wahrnimmt. Erst muß dich das jemand aus einem anderen Land darauf aufmerksam machen. Ein französicher Freund meiner polnischer Freundin hat bei seinem ersten Besuch in Polen ganz amüsiert ein Erscheinen beobachtet, das er sonst nirgendwo gesehen hatte: Frauen mit mehreren, schweren Einkaufstüten (siatki – siehe den Eintrag unten), wie zugewachsen mit ihren Armen. Jetzt wo er das so merkwürdig fand, wurde auch mir klar, das ich Frauen mit siatki sonst nirgendwo außer Polen gesehen habe. Das hat mich zu Gedanken geführt – als ob ich keine interessanteren Themen hätte…. – warum ist es zum Beispiel in Deutschland nicht so? Was habt ihr mit euren Frauen mit siatki gemacht???

Wie macht man denn hier Einkäufe? Ist es solch ein peinliches Ding, dass man das irgendwie versteckt? Gibt es bei euch keine Mütter Deutsche - wie wir unsere Mütter Polinen (Matka Polka) haben – ein ermüdetes, asexuelles Ding, was sich mit viel Sorge hauptsächlich um ihre Familie kümmert? Sogar gibt es ein wichtiges Krankenhaus, das mit Mutter Polins Name gesegnet wurde. Die unsterblichen siatki beweisen, wie stark – obwohl natürlich von jüngeren Frauen abgelehnt – dieser Lebensstil im polnischen Bewußtsein eingeprägt ist.

Dezember 13, 2009

kriegszustand

Einsortiert unter: essenz,prophetismus,wichtigtuerei — Kasia Zielińska @ 10:09 vormittags

Wie ich mich freue dass ich ausgerechnet heute nicht in Polen bin. Sonst wäre ich den ganzen Tag von verzweifelten Gesichten den Leuten, die sich jedes Jahr vor Kameras allen möchlichen polnischen TVSender blamieren, geplagt. Das Szenario ist immer gleich: die Frage, was ist in Polen am 13. Dezember passiert, und die Antwort: yyyyy. Ich weiß selbst nicht, was ich tun würde, wenn ich eine der gefragten wäre. Ob sich anpassen oder als wykształciuch – Ausgebildetussi oder einfach Klugscheißer, wie der ehemalige Vizepremierminister Ludwik Dorn im 2006 nicht bildungsferne Leute Polens genannt hat – richtig rezitieren:

an diesem Tag wurde im Jahre 1981 der Kriegszustand verkündet/ Tausende von Oppositionellen damaliger Volksrepublik wurden interniert, und die Freiheit aller anderen wurde stark begrenzt/ Der General Jaruzelski rechtfertigt das heute mit angeblicher Gefahr des Einmarsches der Roten Armee/ der Kriegszustand dauerte bis 1983/ jedes Jahr am 13.12 versammeln sich Leute vor dem Haus des Jaruzelski und protestieren laut.

Obwohl ich am 13.12.81 noch nicht existierte, ist in meinem Gehirn diese Ikone des polnischen Imaginarium eingeprägt: Jaruzelski, der Einführung des Kriegszustandes verkündet.

Die Lehre von heute: die Polen mögen ihre Wunden pflegen, und die gibt es viele. Einer – na gut, der größte polnische Dichter Adam Mickiewicz – hat mal Polen als Christus aller Nationen bezeichnet. Weil wir so viel leiden, aber damit die anderen Völker zur Erleuchtung/Glückseligkeit/ich weiß nicht mehr/ bringen. Aber das war lange her.

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