Wie ich mich freue dass ich ausgerechnet heute nicht in Polen bin. Sonst wäre ich den ganzen Tag von verzweifelten Gesichten den Leuten, die sich jedes Jahr vor Kameras allen möchlichen polnischen TVSender blamieren, geplagt. Das Szenario ist immer gleich: die Frage, was ist in Polen am 13. Dezember passiert, und die Antwort: yyyyy. Ich weiß selbst nicht, was ich tun würde, wenn ich eine der gefragten wäre. Ob sich anpassen oder als wykształciuch – Ausgebildetussi oder einfach Klugscheißer, wie der ehemalige Vizepremierminister Ludwik Dorn im 2006 nicht bildungsferne Leute Polens genannt hat – richtig rezitieren:
an diesem Tag wurde im Jahre 1981 der Kriegszustand verkündet/ Tausende von Oppositionellen damaliger Volksrepublik wurden interniert, und die Freiheit aller anderen wurde stark begrenzt/ Der General Jaruzelski rechtfertigt das heute mit angeblicher Gefahr des Einmarsches der Roten Armee/ der Kriegszustand dauerte bis 1983/ jedes Jahr am 13.12 versammeln sich Leute vor dem Haus des Jaruzelski und protestieren laut.
Obwohl ich am 13.12.81 noch nicht existierte, ist in meinem Gehirn diese Ikone des polnischen Imaginarium eingeprägt: Jaruzelski, der Einführung des Kriegszustandes verkündet.
Die Lehre von heute: die Polen mögen ihre Wunden pflegen, und die gibt es viele. Einer – na gut, der größte polnische Dichter Adam Mickiewicz – hat mal Polen als Christus aller Nationen bezeichnet. Weil wir so viel leiden, aber damit die anderen Völker zur Erleuchtung/Glückseligkeit/ich weiß nicht mehr/ bringen. Aber das war lange her.